Persönlichkeitsentwicklung

Warum manche Krisen uns wachsen lassen – und andere uns erschöpfen

Maria Neuhuber im blauen Blazer – Beitrag über Krisen, Wachstum und den Mammutbaum

Erst viel später wurde mir klar, warum mich dieser Moment auf dem Voltrum so beschäftigt hat.

✨ Nicht wegen der Höhe.
✨ Nicht wegen der Geschwindigkeit.
✨ Nicht einmal wegen des freien Falls.

Sondern wegen einer Frage,

die uns wahrscheinlich alle immer wieder begleitet:

👉 Warum gehen manche Menschen gestärkt aus schwierigen Zeiten hervor?

Und warum bleiben andere so lange darin stecken?

Diese Frage beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrzehnten.

Und sie beschäftigt mich seit vielen Jahren in meinen Coachings.

Denn eines habe ich immer wieder beobachtet:

Zwei Menschen können dieselbe Situation erleben.

✨ Dieselbe Diagnose.
✨ Dieselbe Kündigung.
✨ Dieselbe Trennung.

Und trotzdem völlig unterschiedlich daraus hervorgehen.

Früher dachte man, das liege daran, dass manche Menschen einfach belastbarer seien.

Heute wissen wir:

👉 So einfach ist es nicht.

Der Mammutbaum hat mich tief berührt

Während meiner Resilienzausbildung begegnete mir das Bild der Mammutbäume.

Vielleicht kennst du diese riesigen, beeindruckenden Bäume.

Sie können Tausende Jahre alt werden.

Was mich jedoch noch viel mehr faszinierte, war etwas anderes.

👉 Viele ihrer Zapfen öffnen sich erst durch die Hitze eines Feuers.

Das Feuer zerstört also nicht nur.

Es schafft gleichzeitig die Voraussetzung für neues Leben.

✨ Es entfernt altes Unterholz.
✨ Es schafft Licht.
✨ Es bringt Nährstoffe zurück in den Boden.

Erst dadurch bekommen die jungen Samen überhaupt eine Chance zu wachsen.

Als ich das las, musste ich lange darüber nachdenken.

Denn plötzlich war da dieses Bild.

Vielleicht wünschen wir uns Menschen oft ein Leben ohne Feuer.

✨ Ohne Krisen.
✨ Ohne Herausforderungen.
✨ Ohne Schmerzen.

Die Natur zeigt uns jedoch etwas anderes.

👉 Nicht jedes Feuer ist gut.

Und niemand sollte Krisen romantisieren.

Aber manche Erfahrungen verändern den Boden.

Den Boden, auf dem später etwas Neues entstehen kann.

Nicht weil das Leid gut war.

Sondern weil wir lernen, ihm auf eine neue Weise zu begegnen.

Nicht jede Krise macht stärker

An dieser Stelle möchte ich etwas geraderücken.

Denn es gibt diesen einen Satz, den wir alle kennen:

„Was uns nicht umbringt, macht uns stärker.”

Er klingt kraftvoll.

Er klingt tröstlich.

👉 Aber er stimmt so nicht.

Der Resilienzforscher George Bonanno hat jahrzehntelang untersucht,

wie es Menschen nach wirklich schweren Ereignissen weitergeht.

Und er hat drei Wege gefunden.

✨ Manche bleiben resilient.
✨ Manche brechen ein und finden über Monate zurück.
✨ Und manche bleiben lange in der Belastung.

Die Ersten geraten kurz ins Wanken.

Und finden schnell wieder zurück.

Das Überraschende daran:

👉 Resilient zu bleiben ist nicht die Ausnahme.

Bei den meisten Menschen ist es der Normalfall.

Ich finde diesen Gedanken zutiefst entlastend.

Denn er bedeutet:

Du musst Resilienz nicht erst lernen.

👉 Dein Körper kann das längst.

Wachsen, reifen oder einfach stabil bleiben?

Und hier wird es noch einmal spannend.

Denn Wachstum nach einer Krise und Resilienz sind zwei ganz verschiedene Dinge.

Es gibt Menschen, die nach einer Krise über sich hinauswachsen.

Sie sind danach mehr als vorher.

Das klingt wunderschön.

Doch dahinter steckt etwas, über das selten jemand spricht.

👉 Bevor jemand so wächst, muss in ihm etwas zerbrechen.

Alles, was er über sich geglaubt hat.

Alles, was er über das Leben geglaubt hat.

Es braucht also erst den Zusammenbruch.

Und genau der passiert bei einer resilienten Reaktion nicht.

Deshalb hängen die beiden nicht zusammen.

Wer resilient reagiert, wächst nicht auf diese Weise.

Und wer so wächst, war vorher nicht resilient.

Es gibt aber noch einen dritten Weg.

👉 Reifen.

Reifen heißt: an Herausforderungen wachsen.

Ohne vorher zerbrechen zu müssen.

Und genau darum geht es mir in meiner Arbeit.

Nicht darum, dass du erst zusammenbrechen musst,

um etwas zu lernen.

Sondern darum, dass du wachsen darfst,

während du stabil bleibst.

Was ist das Gegenteil von zerbrechlich?

Es gibt dazu ein Bild, das ich sehr mag.

Der Autor Nassim Taleb hat einmal gefragt:

Was ist eigentlich das Gegenteil von zerbrechlich?

Die meisten von uns würden antworten:

„Stabil.”

Doch das stimmt nicht ganz.

Was zerbrechlich ist, geht kaputt.

Was stabil ist, bleibt einfach heil.

Beides wird nicht besser.

👉 Das echte Gegenteil wäre etwas, das durch die Erschütterung besser wird.

Und genau das sind die Mammutbäume.

Sie überstehen das Feuer nicht nur.

👉 Sie brauchen es.

Resilienz ist mehr als Widerstandskraft

Das Wort Resilienz wird häufig mit Widerstandskraft übersetzt.

Ich persönlich finde diesen Begriff mittlerweile etwas zu kurz gedacht.

Denn Widerstand klingt für mich danach, möglichst unbeweglich zu sein.

Möglichst nichts an sich heranzulassen.

Doch genau das ist es nicht.

In meiner Ausbildung begegnete mir ein Begriff, der mich viel mehr berührt hat:

👉 Emotionale Elastizität.

Was für ein schönes Bild.

Elastisch bedeutet nicht, dass etwas niemals belastet wird.

Elastisch bedeutet,

dass es sich bewegen darf.

Dass es nachgeben darf.

Und trotzdem wieder in seine Form zurückfindet.

Vielleicht ist genau das Resilienz.

✨ Nicht unerschütterlich zu sein.
✨ Sondern beweglich.

✨ Nicht perfekt.
✨ Sondern anpassungsfähig.

✨ Nicht immer stark.
✨ Sondern immer wieder bereit, in die eigene Mitte zurückzufinden.

Warum wir Resilienz nicht trainieren können

Ein weiterer Gedanke aus dem Workbook hat mich überrascht.

👉 Wir trainieren nicht Resilienz.

👉 Wir trainieren Fähigkeiten.

Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied.

Ist es aber nicht.

Denn wenn ich sage:

„Ich trainiere Resilienz.”

Dann klingt das fast wie Muskeltraining.

Doch Resilienz funktioniert anders.

Was wir trainieren können, ist zum Beispiel,

✨ unser Nervensystem besser zu verstehen,
✨ bewusst zu atmen,
✨ Emotionen wahrzunehmen, statt sie wegzudrücken,
✨ Unterstützung anzunehmen,
✨ unseren Blick immer wieder auf Ressourcen zu lenken.

All das macht es wahrscheinlicher,

dass wir einer Herausforderung resilient begegnen.

Und plötzlich musste ich wieder an den Voltrum denken.

Ich habe dort nicht meine Resilienz trainiert.

✨ Ich habe Resonanzatmung genutzt.
✨ Ich habe geklopft.
✨ Ich habe mein Nervensystem begleitet.

Die Herausforderung war dieselbe.

Aber meine Art, ihr zu begegnen, war eine andere.

👉 Und genau darin liegt für mich der Kern.

Was uns wirklich erschöpft, ist selten die eine große Krise

Und jetzt kommt der Punkt, der mich am meisten beschäftigt hat.

Wenn die meisten Menschen nach schweren Ereignissen stabil bleiben:

Warum nehmen dann Erschöpfung, Ängste und Überforderung immer weiter zu?

In den westlichen Ländern lebt etwa jeder fünfte Mensch mit einer Angststörung oder einer Depression.

Im Corona-Jahr 2020 stiegen diese Zahlen weltweit um mehr als ein Viertel.

Die Erklärung liegt nicht in den großen Katastrophen.

👉 Sie liegt im Dauerstress.

✨ In der Nachricht, die um 22 Uhr noch aufs Handy kommt.
✨ In der Mail, die eigentlich schon gestern hätte beantwortet sein sollen.
✨ In dem Gespräch, das immer wieder verschoben wird.
✨ In den vielen kleinen Dingen, die für sich genommen nichts sind.

Ein einzelner Sturm wirft einen gesunden Baum nicht um.

👉 Aber ein Boden, der nie zur Ruhe kommt, trägt irgendwann keine Wurzeln mehr.

Genau deshalb arbeite ich in meinen Coachings selten an der einen großen Sache.

Sondern an den vielen kleinen Momenten dazwischen.

Denn dort entscheidet sich, ob dein System auftankt oder ausbrennt.

Vielleicht wünschen wir uns ein Leben ohne Feuer.

Die Natur zeigt uns etwas anderes.

👉 Nicht das Feuer entscheidet.

👉 Sondern was danach wachsen darf.

Wie es weitergeht

Doch selbst das schönste Bild eines Mammutbaums beantwortet noch nicht die wichtigste Frage:

Wie schaffen wir es ganz konkret, unserem Nervensystem Sicherheit zu geben?

Genau darum geht es im nächsten Artikel.

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