Persönlichkeitsentwicklung

Resilienz beginnt lange bevor das Leben dich herausfordert

Maria Neuhuber lächelt auf einer Dachterrasse – Beitrag über Resilienz und Nervensystem

Warum ein Freifallturm mich mehr über das Leben gelehrt hat als viele Bücher

„Komm, nutzen wir die Gelegenheit!”

Diesen Satz sagte ich vor Kurzem ganz spontan zu meinem 14-jährigen Patenkind Elias.

Wir waren im Bayern-Park unterwegs und eigentlich hatten wir gar nicht geplant, mit dem Voltrum zu fahren.

Doch plötzlich fiel uns auf, dass kaum Menschen anstanden.

Kennst du diese Momente?

Eigentlich war etwas gar nicht geplant.

Und plötzlich stehst du mitten in einer Entscheidung.

✨ Gehen oder nicht gehen?
✨ Machen oder lassen?

Also stellten wir uns an

Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der Herausforderungen liebt.

Schon immer.

Vor zwölf Jahren sprang ich sogar bei einem Tandemsprung aus einem Flugzeug.

Viele Menschen fragten mich damals, ob ich verrückt sei.

Vielleicht ein bisschen.

Oder vielleicht war ich einfach schon immer neugierig darauf, was hinter meiner Komfortzone liegt.

Also stellten wir uns an.

Mit jedem Schritt wurde der Turm größer.

✨ 109 Meter.
✨ Ein freier Fall aus rund 93 Metern.
✨ Bis zu 113 km/h.

Und irgendwann dachte ich mir:

„Ui … das schaut schon ordentlich aus.”

Ich musste lächeln.

Nicht über den Turm.

Sondern über mich selbst.

Denn ich bemerkte sofort, wie mein Körper reagierte.

✨ Mein Herz schlug schneller.
✨ Mein Atem wurde flacher.
✨ Meine Aufmerksamkeit richtete sich plötzlich nur noch auf diesen Turm.

Nicht oben.

Nicht während des freien Falls.

Sondern unten.

👉 In der Warteschlange.

Unser Körper ist nicht gegen uns. Er ist für uns.

Denn genau dort zeigt sich etwas, das wir im Alltag oft übersehen.

Früher hätte ich wahrscheinlich gedacht:

„Jetzt bekomme ich Angst.”

Heute weiß ich etwas anderes.

👉 Mein Körper machte keinen Fehler.

Er funktionierte perfekt.

Dein Nervensystem entscheidet in Sekundenbruchteilen

Unser Nervensystem bewertet jede Situation innerhalb von Sekundenbruchteilen.

Nicht mit dem Verstand.

Sondern mit einem einzigen Auftrag:

„Bist du sicher?”

Das ist unglaublich faszinierend.

Unser Körper unterscheidet dabei nämlich nicht zwischen einem Säbelzahntiger vor zehntausend Jahren, einem schwierigen Mitarbeitergespräch, einer Diagnose beim Arzt oder einem 109 Meter hohen Freifallturm.

Er prüft lediglich:

👉 Ist hier möglicherweise Gefahr?

Wenn ja,

werden Stresshormone ausgeschüttet.

✨ Der Puls steigt.
✨ Der Atem verändert sich.
✨ Die Muskulatur spannt sich an.
✨ Unsere Wahrnehmung wird enger.

Nicht weil unser Körper uns ärgern möchte.

Sondern weil er uns schützen möchte.

Alleine dieses Wissen verändert unglaublich viel.

Denn plötzlich kämpfen wir nicht mehr gegen unseren Körper.

Wir beginnen, ihn zu verstehen.

Und genau das ist für mich einer der ersten Schritte in Richtung Resilienz.

Was mein Nervensystem am meisten brauchte

Früher wollte ich solche Gefühle möglichst schnell loswerden.

Heute nicht mehr.

Heute begrüße ich sie.

Nicht, weil sie angenehm sind.

Sondern weil sie mir etwas erzählen.

Sie zeigen mir:

„Maria, dein Nervensystem arbeitet gerade.”

Also schaute ich Elias an und sagte ganz selbstverständlich:

„Ich atme jetzt mal ein bisschen. Das schaut schon ordentlich aus.”

Er grinste.

Und ich begann mit meiner Resonanzatmung.

Ich klopfte.

Nicht, weil ich meine Angst wegmachen wollte.

Nicht, weil ich mir beweisen musste, wie mutig ich bin.

Sondern weil ich meinem Nervensystem etwas schenken wollte, das es in diesem Moment am meisten brauchte.

👉 Sicherheit.

Ich zwang mich nicht dazu, keine Angst zu haben.

Ich erlaubte meinem Körper, Angst zu empfinden.

Und gleichzeitig zeigte ich ihm:

„Ich bin da. Wir schaffen das gemeinsam.”

Vielleicht ist genau das der Unterschied.

Früher hätte ich gegen meinen Körper gearbeitet.

👉 Heute arbeite ich mit ihm.

Und genau hier beginnt für mich Resilienz.

Resilienz ist keine Persönlichkeitseigenschaft

Als ich vor einigen Monaten begann, mich noch intensiver mit dem Thema Resilienz auseinanderzusetzen, stellte ich fest, dass ich selbst lange einem Irrtum aufgesessen war.

Ich dachte, Resilienz sei etwas, das manche Menschen einfach besitzen.

✨ So wie Talent.
✨ Oder eine besondere Stärke.

Vielleicht kennst du Sätze wie:

„Die ist einfach unglaublich resilient.”

Oder:

„Ich bin leider nicht so belastbar.”

Doch genau das zeigt auch die aktuelle Resilienzforschung:

👉 Resilienz ist keine Persönlichkeitseigenschaft.

Dieser Satz hat mich tief berührt.

Denn er verändert alles.

Wenn Resilienz keine Eigenschaft ist,

dann bedeutet das auch,

dass niemand grundsätzlich resilient oder eben nicht resilient ist.

👉 Resilienz entsteht immer im Zusammenspiel zwischen einer Herausforderung, den Ressourcen, die uns in diesem Moment zur Verfügung stehen, und unserer Art, mit dieser Situation umzugehen.

Alleine dieser Gedanke nimmt so viel Druck.

Denn plötzlich bedeutet ein schwieriger Tag nicht mehr:

„Ich bin zu schwach.”

Sondern vielleicht einfach:

Heute standen mir gerade nicht genügend Ressourcen zur Verfügung.

Was für ein Unterschied.

Warum zwei Menschen völlig unterschiedlich reagieren

Genau deshalb reagieren zwei Menschen völlig unterschiedlich.

Vielleicht hast du das selbst schon erlebt.

Zwei Kolleginnen erhalten dieselbe Rückmeldung.

Eine nimmt sie als Chance wahr.

Die andere zweifelt tagelang an sich.

Zwei Menschen warten auf ein Untersuchungsergebnis.

Die eine schläft trotzdem ruhig.

Die andere malt sich jede Nacht das Schlimmste aus.

Dasselbe Ereignis.

Und doch völlig unterschiedliche Reaktionen.

Warum?

Nicht, weil eine stärker ist.

Sondern weil jedes Nervensystem seine eigene Geschichte mitbringt.

✨ Seine Erfahrungen.
✨ Seine Prägungen.
✨ Seine bisherigen Strategien.

Und genau deshalb liebe ich meine Arbeit als Emotionscoach so sehr.

Denn sie erinnert mich jeden Tag daran:

Wir dürfen aufhören, Menschen vorschnell zu bewerten.

👉 Was wir sehen, ist immer nur die Reaktion.

Nicht aber die Geschichte, die dahinterliegt.

Oben auf dem Turm verstand ich plötzlich noch etwas

Als wir schließlich ganz oben ankamen, passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte.

Es war gar nicht die Höhe.

Auch nicht die Geschwindigkeit.

👉 Es war die Stille.

Wir saßen dort.

Alles war ruhig.

Und wir wussten nicht:

Wann geht es jetzt los?

Genau dieser Moment hat mich überrascht.

Denn plötzlich musste ich an meinen Tandemsprung vor zwölf Jahren denken.

Damals fragte mich der Tandemmaster kurz vor dem Sprung:

„Bist du bereit?”

Ich antwortete:

„Ja.”

Dann zählte er herunter.

Drei.

Zwei.

Eins.

Und wir sprangen.

Ich wusste genau, wann der Moment kommen würde.

Hier oben auf dem Voltrum gab es keinen Countdown.

✨ Keine Vorbereitung.
✨ Keine Vorwarnung.
✨ Nur Ungewissheit.

Vielleicht ist das Warten das Schwierigste

Und genau dort wurde mir etwas bewusst.

Vielleicht ist gar nicht das Ereignis selbst das Schwierigste.

👉 Vielleicht ist es das Warten davor.

✨ Die Ungewissheit.
✨ Das Nichtwissen.
✨ Die fehlende Kontrolle.

Ist das nicht auch im Leben oft so?

✨ Nicht das Gespräch.
✨ Sondern die Nacht davor.

✨ Nicht die Diagnose.
✨ Sondern das Warten auf den Anruf.

✨ Nicht die Entscheidung.
✨ Sondern die Tage, in denen wir noch nicht wissen, wie sie ausfallen wird.

👉 Und genau in diesen Momenten entscheidet sich oft,

wie wir unserem Leben begegnen.

Vielleicht trainieren wir Resilienz nicht erst dann, wenn das Leben uns herausfordert.

Vielleicht trainieren wir sie jedes Mal, wenn wir unserem Nervensystem zeigen:

👉 „Ich bin sicher.”

Wie es weitergeht

Im nächsten Artikel nehme ich dich mit zu einem Baum, der mich tief berührt hat.

Denn manchmal zeigt uns die Natur besser als jedes Lehrbuch, warum Krisen nicht automatisch Wachstum bedeuten.

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